Eistüten: wirtschaftliche Wunderwerke oder teurer Trödel?

Alles rund um moderne elektronische Sirenen.
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Klauskinski
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Eistüten: wirtschaftliche Wunderwerke oder teurer Trödel?

Beitrag von Klauskinski »

Moin!

Die elektronischen Plastiktröten sollen ja so wirtschaftlich und wartungsarm sein. Weitere Vorteile:
- Möglichkeit Durchsagen zu machen - versteht man die auch durch Hauswände?

- Läuft auch bei Stromausfall - ein Vorteil, der wirklich nicht von der Hand zu weisen ist.

Aber meine Gedanken gingen in Richtung Wartungsfreundlichkeit: Keine bewegliche Teile. etc.

Machen wir also einen Vergleich:

Die gute alte verrichten desöfteren seit mehreren Dekaden klaglos ihren Dienst. Klar: ausfälle kommen in den besten Familien vor, aber in der Regel halten die Dinger wirklich jahrzehntelang durch. Verschließteile: Modor bürstenlos, fällt also quasi weg. Das Lager könnte allerdings irgendwann mal schlappmachen. Reparaturen am Schallgeberteil, also der eigentlichen Sirene können auch vom technisch versierteren Laien vorgenommen werden.

Und nun die (teureren) Elektroniktröten:
Im Grunde nichts anderes als ne Stereoanlage mit Mp3- Spieler, mal ganz salopp ausgedrückt. Daraus ergeben sich folgende Probleme:
Elektronische Bauteile haben die Eigenschaft zu altern. So verlieren die KOndensatoren des Leistungsverstärkers mit der Zeit an Kapazität, können sogar auslaufen und weitere Elektronik beschädigen. Die Akkus haben auch nur eine begrenzte Lebensdauer. Eventuelle Solarkollektoren müssen saubergehalten werden, um zuverlässig Energie zu liefern. Und was bei der Motorsirene der Moterschluss ist, ist bei der Eistüte die verkokelte Schwingspule, die, wenn sie Durchgebrannt ist nicht nur "dichtmachen", sondern auch einen Schluss verursachen kann. Und was passiert, wenn der Widerstand an den Lautsprecherausgängen eines Verstärkers zu niedrig ist und gegen Null geht? Richtig, die Leistungstransistoren verabschieden sich. Mit etwas glück spricht eine Schutzschaltung an, wenn eine verbaut ist.

Fazit: Die ist billiger und unterliegt trotz ihrer bewegten Teile keinem nennenswerten Verschleiß. Reparaturen sind i.d.R. unkompliziert. Die vielen funktisonstüchtigen Motorsirenen aus dem 2. Weltkrieg sind das beste Argument für deren Standhaftigkeit.

Elektronische Sirenen bieten dem Fehlerteufel konstruktionsbedingt eine größere Angriffsfläche, Schäden sind schwieriger zu beheben, Wartung ist ebenfalls möglich. Die Alterung der Bauteile fällt hier wirklich ins Gewicht.
Ich bin mir sicher, dass in 30 Jahren keine Eistüte mehr steht, die vor 10 Jahren aufgestellt wurde. Zumindest nicht der Verstärkerteil. Je aufwändiger die Konstruktion, desto höher die Störanfälligkeit.

Also ist und bleibt die Motorsirene langfristig günstiger. Auch würde ich ihr eine höhere Zuverlässigkeit attestieren.
Ist das die Möglichkeit der Sprachdurchsagen wert? Und die Netzunabhängigkeit? Ich würde sagen: Punktsieg der Motorsirene.

Abgesehen davon: die Tröten klingen scheiße und sehen auch so aus
Gast

Re: Eistüten: wirtschaftliche Wunderwerke oder teurer Tröde

Beitrag von Gast »

HHmm,an sich waren die Eistüten als "Nachfolger" für die HLS vrgesehn,aber sie sind scheinbar nicht so einfach zu handeln.Man KÖNNTE sie manipulieren (Virus aufPC-gestützte Steuerung o.ä.) und auch andre Möglichkeiten (Laaut unseren Terrorphobiegeplagten Politikern ist alles möglich) ..ich finde die HLS oder einfach ungeschlagen gut..
Zuletzt geändert von Gast am Sonntag 19. Juni 2005, 17:18, insgesamt 1-mal geändert.
Witti76
Harter Kern
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Re: Eistüten: wirtschaftliche Wunderwerke oder teurer Tröde

Beitrag von Witti76 »

Halleluja Brüder!

Du hast ein wahres Wort gesprochen Klaus!
Aber wer wird unsere Gebete erhören?
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Marco
Harter Kern
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Re: Eistüten: wirtschaftliche Wunderwerke oder teurer Tröde

Beitrag von Marco »

Manche Leute behaupten zudem, dass Eistüten schlechter als Motorsirenen zu hören sind.
Wenn das stimmen sollte, ist die ganze Diskussion um die angeblichen Vorteile der Eistüten hinfällig. Denn eine Flüstertüte, die nicht gehört wird, nutzt rein gar nichts.
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NCW
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Re: Eistüten: wirtschaftliche Wunderwerke oder teurer Tröde

Beitrag von NCW »

die wurde ja extra so entwickelt, dass sie nur die lager als letzte verschleissteile hat. und da eine sirene kaum läuft, werden die lager eigentlich überhaupt nicht wirklich beansprucht. höchstens das fett wird harzig. das, was eine wirklich bedrohen kann ist rost, wenn sie ma 20 jahre nicht überstrichen wurde.
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SecurityMan
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Re: Eistüten: wirtschaftliche Wunderwerke oder teurer Tröde

Beitrag von SecurityMan »

- Möglichkeit Durchsagen zu machen - versteht man die auch durch Hauswände?
Also als in Grimma, das liegt in Sachsen, das neue "Eistütennetz" in Betrieb genommen wurde (aus Hochwasserschutzgründen hauptsächlich) hat man auch Sprachdurchsagen getestet. Fazit: Ein großer Teil der Bürger hat von den Durchsagen nix verstanden...

Der Einwand von der Alterung elektronischer Bauteile ist allerdings echt nicht von der Hand zu weisen. Ich würde mal gerne wissen wollen, wie es mit der "Gewitterfestigkeit" (Blitzeinschlag in unmittelbare Nähe etc.) bestellt ist. Ob sowas den viele kleinen elektronischen Bauteilen förderlich ist?
Immerhin: Wenn durch Blitzeinschlag mal eine Motorsirenensteuerung wildgeworden ist, drehst du die Sicherung (z.B. Hausanschluß) raus und Ruhe is. Nur, die Eistüte hat im Inneren des Steuerungskastens (kriegt man den überhaupt ohne weiteres auf???) noch eine nette Batterie. Demzufolge: Im ungünstigsten Fall kommt keiner an den Steuerungskasten ran und das gute Eistütchen macht stundenlang Mensch und Tier verrückt...
Gast

Re: Eistüten: wirtschaftliche Wunderwerke oder teurer Tröde

Beitrag von Gast »

In Sachen Alarmnetz KÖNNTE man sich an den Franzosen ein Beispiel nehmen,die haben anstelle einer Tageszeitung(aus Kostengründen) ein Lautsprechersystem,das auch als Alarmsystem dient.Ich war früher in F viel unterwegs,(vor allem in Südfrankreich)da sind die Lautsprecher an jedem Lichtmasten oder an den Hauswänden befestigt,ich habe auch Durchsagen UND Alarm gehört,DAS ist der Hammer,da ist eine Motorsirene ni dagegen,das hört man auch noch,je nach Lage Dorfes im Umkreis von bis zu zwei Kilometern,auch bei starkem Mistral(südländische Versuon des Sturms)
Da gabs auch verschiedene Lautsprecher von Monstern mit 50cm Durchmessernbis hin zu den in D üblichen Bahnhofslautsprechern.
Ich würde die den Eistüten vorziehen,da die Lautsprecher nicht ÜBER die Dächer schalen,sondern sich in den Strassenzügen befinden und da kommt der Schall besser in die Häuser..
Zuletzt geändert von Gast am Dienstag 21. Juni 2005, 13:53, insgesamt 1-mal geändert.
Wickerman

Re: Eistüten: wirtschaftliche Wunderwerke oder teurer Tröde

Beitrag von Wickerman »

Eistüten sehen aber bei weitem nicht so "bedrohlich" aus wie eine e 57 und haben nicht diesen "furcheinflößenden" Sound beim Anlaufen.

In Köln Worringen hatte man vor vielen Jahren einige stehen. Nach vielen Anwohnerprotesten wurden die entfernt. Da aber direkt neben Worringen BP und Bayer liegt, mußte ein Sirenennetz aufgebaut werden. Die Bürger entschieden sich für 6 Eistüten, die auf einem Dach aufgebaut wurden. Begrüdung des Entscheids: sanftere Alarmierung, angelich geringere Kosten und Durchsagen.


Ich glaube aber nicht das die Eistüten so wie es hier manche Leute erzählen, wie Billigartikel rüberkommen. Schließlich handelt es sich hier um Sicherheitstechnik die mind. 20 Jahre erprobt und getestet wird. kein Hersteller kann es sich leisten dort Müll zu installieren.
Und hier muß man auch sagen, das die Eistüten auch nicht immer unter "Last" sind sondern eig. genauso oft laufen wie eine .
Klauskinski
Harter Kern
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Re: Eistüten: wirtschaftliche Wunderwerke oder teurer Tröde

Beitrag von Klauskinski »

Moin!

Elektronische Bauteile altern sogar schneller, je seltener sie in Betrieb sind.
Klauskinski
Harter Kern
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Re: Eistüten: wirtschaftliche Wunderwerke oder teurer Tröde

Beitrag von Klauskinski »

Moin!

Die alten Elektroniksirenen hatten diesen HLS- Schalltrichter.
Die Lautsprecher müssen natürlich als Druckkammerhorn ausgeführt sein: "normale" Lautsprecher haben einen viel zu niedrigen Wirkungsgrad, als dass sie als Sirene fungieren könnten. Und je niedriger der Wirkungsgrad, desto mehr muss der Verstärker leisten, desto mehr muss der Lautsprecher an Leistung vertragen können. Und wie auch im Hifi- und PA- Bereich: Leistungsstarke Verstärker und hochbelastbare Lautsprecher sind unverhältnismäßig teurer als die schwächeren Geräte. Logische Konsequenz: die Sirenenanlagen würden noch teurer. Stellt sich die Frage: was will man? Ein Gerät, dass den Originalton möglichst naturgetreu wiedergeben kann oder ein Warngerät? Das führt die Hifi- Sirene natürlich ad absurdum. Aber:

Gesetz dem Fall, man hört z.B. gerne Akustikgitarren und kauft sich eine teure Anlage, die in der Lage ist, den Gitarrenklang naturgetreu zu reproduzieren; da wäre es billiger, sich eine Gitarre zu kaufen.
Denn: nichts klingt besser als das Original!
Gast

Re: Eistüten: wirtschaftliche Wunderwerke oder teurer Tröde

Beitrag von Gast »

Ja,die von mir mal erwähnte alte Elektronische Sirene in Grafing-Bahnhof hat die gleichen HLS-Hörner wie die eine die in Ebern auf dem Autohaus steht,allerdings aus standortbedingten Gründen fehlt ein Horn,weil die Sirene mit ihrem Masten so knapp an einem Trafohäuschen steht,dass nur drei Hörner Platz finden..
Ich hab leider kein Foto,aber vielleicht könnte Meaks eines machen,er wohnt ja nicht weit davon..
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