Elektrische Frage zu einer S0

Forenregeln, Anfängerfragen, persönliche Erfahrungen und Ängste, Meinungen, die Foren betreffendes
Antworten
Benutzeravatar
Marco
Harter Kern
Beiträge: 268
Registriert: Freitag 11. Februar 2005, 17:06

Elektrische Frage zu einer S0

Beitrag von Marco »

Mehr oder weniger durch Zufall habe ich an meiner laufenden S0 eine seltsame Erscheinung bemerkt. Hatte sie einfach mal so per 2poligem Kabel ohne Erdung ans Netz angeschlossen:
Bild
Irgendwie habe ich mit einem Spannungsprüfer gegen eine Halteschraube geklopft und dabei entdeckt, dass die Glimmlampe dieses Prüfers aufleuchtete. Für mich war klar, dass das Gehäuse unter Spannung steht und die Sirene defekt ist.
Bild
Später habe ich ein 3adriges Kabel mit Schutzleiter angeschlossen und erwartet, dass die Sicherung dann rausfliegen muss. Das tat sie aber nicht. Auch die Glimmlampe des Spannungsprüfers leuchtete jetzt (logischerweise) nicht mehr, da die Sirene ja geerdet war. Sobald ich aber die Erdung entferne, leuchtet wieder die Glimmlampe. Naja, und dann hab ich selber mal an das ungeerdete Gehäuse gepatscht ohne ins Jenseits befördert worden zu sein. Es hat noch nicht mal gekribbelt. Irgendwie finde ich das reichlich unlogisch, dass einerseits der Glimmlampen-Prüfer eine Spannung anzeigt, ich aber ohne Probleme das Gehäuse berühren kann!?! Wie kann das sein?

Auf jeden Fall besser nicht nachmachen. Sirenen stets sicher betreiben, bei Verdacht auf Defekt stilllegen und reparieren.
Benutzeravatar
NCW
Moderator
Beiträge: 1868
Registriert: Samstag 27. März 2004, 21:58

Re: Elektrische Frage zu einer S0

Beitrag von NCW »

hm, ich vermute mal, das diese spannung irgendwo im bereich des kommutators aufs gehäuse "überschlagt", bin mir da aber auch nicht sicher. wahrscheinlich hat ein mensch dann einen höheren widerstand, als der restliche spulenteil, sodass der strom den "kürzeren" weg durch die spule nimmt ansatt direkt durch dich, bzw. dass durch dich nur ein kaum spürbarer teil fliest. dagegen spricht jedoch die hohe impendanz des vorwiderstades der glimmlampe, der sich mit dem deines körpers aufaddiert.
242
ReinhardG
Sirenenexperte
Beiträge: 514
Registriert: Samstag 14. Januar 2006, 14:20

Re: Elektrische Frage zu einer S0

Beitrag von ReinhardG »

dagegen spricht jedoch die hohe impendanz des vorwiderstades der glimmlampe, der sich mit dem deines körpers aufaddiert.
Ne, das passt schon alles - Du musst nur noch den Übergangswiderstand im Gehäuse dazuzählen. Da gibt es irgendwo einen Spannungsübergang ("Kriechstrom") zum Gehäuse, vielleicht im Bereich der Bürsten durch Kohlenabrieb. Der ist aber so hochohmig, dass zwar für die Glimmlampe mit ihrem großen Vorwiderstand die Spannung noch reicht, aber bei einem kleineren Widerstand bricht sie zusammen, d.h. dass dann fast die ganze Spannung am Übergang im Gehäuse anliegt, was sich gut auf die Gesundheit des Anfassenden auswirkt. Aber nur, weil der Übergangswiderstand im Gehäuse groß genug ist.

Also ein schönes Beispiel dafür, warum die Gehäuseerdung so wichtig ist.

Gruß - Reinhard.
duese
Neuling
Beiträge: 67
Registriert: Dienstag 10. Januar 2006, 23:28

Re: Elektrische Frage zu einer S0

Beitrag von duese »

Der Motor kann auch in einwandfreiem Zustand sein (alles Sauber, keine Feinschlüsse) und der Spannungsprüfer leuchtet trotzdem auf. Grund sin kapazitive oder Induktive Kopplungen des Geäuses mit der Wicklung der Spule/den Zuleitungen. Einfacher formuliert: Durch die elektromagnetischen Felder wird das Gehäuse unter Spannung gesetzt. Die Kopplung ist aber so schwach, daß davon keine Gefahr ausgeht. Der Spunnungsprüfer schlägt aber an, da der benötigte Strom nur sehr sehr klein ist.

Aus dem selben Grund kann ein Phasenprüfer auch Spannung an einer Ader anzeigen, die mit einem Lichtschalter ausgeschaltet ist, oder die nicht angeklemmt ist, und neben der eine Stromführende Leitung verläuft.

Nichts desto trotz Gehäuse immer erden, es könnte ja doch ein (gefährlicher) Fehler vorliegen.

duese
Rainer
Sirenenexperte
Beiträge: 811
Registriert: Dienstag 29. November 2005, 18:21

Re: Elektrische Frage zu einer S0

Beitrag von Rainer »

Ich nenne so einen einfachen "Schraubendreher-Phasenprüfer einfach:

LÜGENSTIFT!

Wenn man den üblichen ,zweipoligen Spannungsprüfer "Duspol" verwendet,wird er vielleicht auch ein glimmen der Lampe zeigen,beim Druck auf die Prüftaste aber keine Spannung anzeigen.

Es wäre ratsam,den Entstörkondensator aus dem Sirenenmotor zu erneuern.

Der altert nämlich,zeigt dann solche Erscheinungen wie Kriechstrom und kann sich irgendwann mal mit einem Knall verabschieden! Dann ist er sowieso fällig!

So manch ein Staubsauger flog auf den Sperrmüll,weil der blöde "Schweizer Kracher" seinen Besitzer geängstigt hat.

Ich hab die Dinger kurzerhand einfach rausgeschmissen. Dann kracht zwar das Radio,wenn der Sauger läuft,doch so lange läuft der nicht an einem Stück.

Diese einpoligen Spannungsprüfer sind auch gefährlich:steht man auf einer Holzleiter auf isoliertem Boden,um etwa eine Lampe zu montieren,leuchtet die Glimmlampe nicht auf,obwohl Spannung anliegt,weil der Strom über einen Schutzwiderstand über den Körper fliessen muß,um die Glimmlampe zum Aufleuchten zu bringen!

Also, Leute: In eurem eigenen Interesse,verwendet dieses Ding nur als Schraubenzieher und ansonsten IMMER zweipolige Prüfer!

Sind doch gar nicht mehr so teuer.

Mfg.Rainer
Gast

Re: Elektrische Frage zu einer S0

Beitrag von Gast »

Da gebe ich dem Rainer recht! Zum Spannungsmessen keinen Phasenprüfer sondern einen zweipoligen Spannungsmesser verwenden!
Benutzeravatar
Marco
Harter Kern
Beiträge: 268
Registriert: Freitag 11. Februar 2005, 17:06

Re: Elektrische Frage zu einer S0

Beitrag von Marco »

Besten Dank für die Antworten - man lernt immer dazu.
Ich habe jetzt die Sirene nochmal ungeerdet angeschlossen und konnte mit einem zweipoligen Prüfer à la Duspol keine Spannung messen. Den Kondensator hab ich damals sofort entfernt, als ich die Sirene bekam. Er war aufgeplatzt. Also muss es sich hier um elektromagnetischen Felder handeln, die das Gehäuse unter Spannung setzen.
Wenn ich mit dem Handrücken leicht über den lackierten Sirenenfuß fahre, merke ich ein ganz leichtes Kribbeln - berühre ich dagegen ein blankes (!) Metallteil, merke ich nix.
So, und jetzt hat die kleine S0 endgültig ein 3adriges Anschlusskabel bekommen und ich lasse diese waghalsigen Experimente besser bleiben.
Rainer
Sirenenexperte
Beiträge: 811
Registriert: Dienstag 29. November 2005, 18:21

Re: Elektrische Frage zu einer S0

Beitrag von Rainer »

Dieses fühlbare ,leichte Kribbeln habe ich auch bei einem Mitsubishi HIFI-Verstärker.

Er funktioniert tadellos aber der Trafo ist nicht vollgekapselt,so dass er wohl dieses Kribbeln verursacht.

Alle daran angeschlossenen Komponenten übernehmen logischerweise dieses Kribbeln,aber alles funktioniert!

Kann darum auch bei der Sirene,wenn der Entstörer schon draussen ist,nur durch den Magnetismus entstehen!
(Darum haben moderne HIFI-Verstärker oft die streuarmen Ringkerntrafos).


Mfg.Rainer
Klauskinski
Harter Kern
Beiträge: 414
Registriert: Montag 21. Februar 2005, 11:10

Re: Elektrische Frage zu einer S0

Beitrag von Klauskinski »

Ein Trafo muss nicht vollgekapselt sein. Der Großteil meiner Hifigeräte hat ungekapselte Trafos und da passiert nichts. Kriechströme können von überall kommen, oder derVerstärker ist schlecht konstruiert und er induziert Spannung in "berührbare Teile".
Wolfi
Harter Kern
Beiträge: 382
Registriert: Dienstag 17. August 2004, 23:10
Wohnort: Friedrichsdorf im Taunus

Re: Elektrische Frage zu einer S0

Beitrag von Wolfi »

Hallo Sirenenfreunde,

wenn Ihr prüfen wollt, ob die Isolation des Motors in Ordnung ist oder
evtl. ein Masseschluß vorliegt, kann man das zuverlässig mit einem
Isolationstester machen (z.B. Isolavi, Metriso, etc.). Evtl. kann man
sich so ein Gerät auch bei einem Elektriker ausleihen.

Diese Geräte prüfen die Isolation mit einer Prüfspannung von 500 Volt
DC, die von einem eingebauten Transistorzerhacker erzeugt wird.
Damit lässt sich eindeutig feststellen, ob die Isolation der Wicklungen
gegen das Gehäuse einwandfrei ist oder nicht.

Vergesst die einfachen Phasenprüfer. Deren Glimmlampen sind äußerst
empfindlich und leuchten schon bei winzigen Strömen im Mikroampere-
Bereich auf. Deshalb zeigen sie sehr oft auch sogenannte Blindspannun-
gen, also induktiv oder kapazitiv eingekoppelte Wechselspannungen an,
die aber völlig unbedenklich sind.
Aus diesem Grunde haben professionelle (zweipolige) Spannungsprüfer,
wie zuvor schon erwähnt, eingebaute Belastungswiderstände, die es
erlauben, solche Blindspannungen von tatsächlichen Netzspannungen
zu unterscheiden.

Weiterhin viel Spaß beim Basteln und Restaurieren,

Wolfi
Zuletzt geändert von Wolfi am Mittwoch 26. April 2006, 23:22, insgesamt 1-mal geändert.
Antworten