1:0 für die Eistüte ...

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ReinhardG
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Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von ReinhardG »

Die hat nunmal ihren einzigartigen Sound,besonders das Knurren beim Auslaufen! Keine HLS oder ELS kann das so gut wie sie!
Die HLS sind dafür in anderer Hinsicht einzigartig: der Schalldruck ist annähernd unabhängig von der Rotordrehzahl. Leider scheinen heute die meisten HLS zu kurz eingestellte Verzögerungen für das Luftventil zu haben, jedenfalls bricht der Ton ja bei den Aufnahmen hier immer vorzeitig ab. Wenn er das aber nicht macht, gehen die tiefen Töne richtig in die Knochen. Wir hatten eine HLS gegenüber der Schule, ca. 50 Meter Luftlinie entfernt; wenn da ABC-Alarm geprobt wurde, wackelte buchstäblich die Wand - ich kenne nichts, was man damit vergleichen könnte.

Gruß - Reinhard.
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Abi2612
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Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von Abi2612 »

Wir hatten eine HLS gegenüber der Schule, ca. 50 Meter Luftlinie entfernt; wenn da ABC-Alarm geprobt wurde, wackelte buchstäblich die Wand - ich kenne nichts, was man damit vergleichen könnte.
Wo bist Du doch gleich nochmal zuhause? Welches war denn "Deine" HLS an der Schule (Standort meine ich)?
ReinhardG
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Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von ReinhardG »

Welches war denn "Deine" HLS an der Schule (Standort meine ich)?
Hannover-Linden, auf dem (ansonsten stillgelegten) Bunker an der Ricklinger Straße / Ecke Petristraße, eine F71. Sie war auf der südwärtigen Dachseite montiert und damit direkt gegenüber unserer Schule, dazwischen war nur der Schulparkplatz. (Ich sollte mal hinfahren und nach Resten gucken.)

Gruß - Reinhard.
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florianwesel
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Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von florianwesel »

Da haben wir's!

Abi2612 hat mir mitgeteilt, daß die von mir gemeldete F71 (Himmelberg bei Metten) vorzeitig Anfang der 80er bereits demontiert wurde. Denn sie stand - das muß sich mal einer vorstellen - mitten in einem Ferienlager für Kinder und Jugendliche! Man stelle sich dort mal einen Probealarm vor - die armen Kids! Ich denke, daß dieses der Grund für den frühzeitigen Abbau war.

Vielleicht weiß ja jemand aus der Gegend um Deggendorf mehr darüber?

Grüße, Ludger
Carpe diem!
ReinhardG
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Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von ReinhardG »

Man stelle sich dort mal einen Probealarm vor - die armen Kids! Ich denke, daß dieses der Grund für den frühzeitigen Abbau war.
In Hannover-Linden war südlich 50 Meter weg meine Schule (wie beschrieben), östlich grenzte direkt der Schulhof einer anderen Schule an. http://www.goyellow.de/map?lat=52.35821 ... &z=17&mt=1
Die F71 war an der Stelle montiert, wo das Kreuz für den Kartenmittelpunkt steht, also ungefähr mittig auf der südlichen Dachseite. Unterhalb ist meine Schule, rechts davon, noch etwas näher, die andere. Bei Probealarm war das schon heftig laut und man konnte irgendwie ahnen, dass die Schmerzgrenze nicht mehr weit ist, aber als unerträglich würde ich es nicht bezeichnen. Wir fanden es eher praktisch, weil absolut kein Unterricht in dieser Zeit möglich war und hatten natürlich (anders als manche Lehrer) immer drauf, wann wieder ein Probealarm sein würde. Ab und an gelang es auch, einen Lehrer aufs Glatteis zu führen, indem man den Termin für einen Test oder ähnliche Unannehmlichkeiten passend zu schieben versuchte.

Gruß - Reinhard.
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Abi2612
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Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von Abi2612 »

Denn sie stand - das muß sich mal einer vorstellen - mitten in einem Ferienlager für Kinder und Jugendliche! Man stelle sich dort mal einen Probealarm vor - die armen Kids! Ich denke, daß dieses der Grund für den frühzeitigen Abbau war.
Hmm... Glaube eigentlich nicht, daß der Standort der Grund für den Abbau war (kann mich natürlich auch täuschen). Damals war man offensichtlich ohnehin extrem schmerzfrei, was die Standortwahl betraf - Beispiele:

- HLS Kassel-Auefeld: Standort auf einem Kinderspielplatz, der an den Schulhof einer Grund- und Mittelschule angrenzt. Von dort stammte ja auch das schöne Foto von 1968 vom ersten Probealarm...

http://www.hochleistungssirene.de/downl ... _HNA_1.pdf

Mein Fahrlehrer ging übrigens auf diese Schule und berichtete mir 1993 von der Sirene; er beschrieb es durchaus als (Zitat!) "unerträglich".

- HLS Kassel-Hegelsberg: Standort auf einem Abenteuerspielplatz

- HLS Kassel-Bettenhausen: Bei Aufstellung war der Standort die "Beschützende Werkstatt", wohl eine Einrichtung für behinderte Kinder...
Bild

- HLS Kassel-Harleshausen: Standort am ehemaligen Schulgebäude, das später zur Feuerwache wurde. Der Schulhof einer neuen Schule grenzt unmittelbar an das Grundstück.

- HLS Gießen-Goetheschule: Standort Dach einer Grundschule...

- HLS Darmstedt-Mornewegstraße: Standort auf dem Schulhof einer Berufsschule...

- HLS Darmstadt-Verkehrsschulgarten: Standort auf einem Fahrrad-Parcours für Kinder...

Und so geht es munter weiter... Auf die Ängste und Trommelfelle der Kinder und Jugendlichen wurde bei den HLS-Aufstellungen keinerlei Rücksicht genommen. In Hannover standen drei oder vier Pintsch Bamags auf Schulgebäuden! Ebenso in München...
Zuletzt geändert von Abi2612 am Sonntag 26. März 2006, 15:26, insgesamt 1-mal geändert.
SireneROF
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Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von SireneROF »

Wahnsinn das Konzert hätte ich gern mal erlebt*gg*
Aber leider komm ich nicht aus Kassel
Nu denn Schönen Tag noch
Gruß Olaf
Ohne Sirenen geht es nicht!
ReinhardG
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Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von ReinhardG »

Und so geht es munter weiter... Auf die Ängste und Trommelfelle der Kinder und Jugendlichen wurde bei den HLS-Aufstellungen keinerlei Rücksicht genommen. In Hannover standen drei oder vier Pintsch Bamags auf Schulgebäuden! Ebenso in München...
Wahrscheinlich ging es in erster Linie darum, Grundstücke zu nehmen, für die man keine Genehmigung beim Eigentümer mehr einholen muss. Und da sind Schulen und Kindergärten oder Spielplätze halt günstig, weil sie der jeweiligen Kommune schon gehören.

Was die Angst vor Sirenen angeht: ich kann mich schon erinnern, als Kind Angst vor einer in der Nähe unserer Wohnung gehabt zu haben, wie es viele hier auch beschreiben. Das legte sich irgendwann einfach so. Die HLS hat nie so gewirkt, weil sie ja auch ganz anders aussah und wir sie zuerst auch gar nicht als Sirene identifiziert haben. Bei der Aufstellung (das muss 1970 oder 71 gewesen sein) werkelte da zwar ein Autokran, aber man hat in den 70er Jahren in Hannover einige alte Hochbunker für den Zivilschutz wieder ertüchtigt und so sah das da auch aus. Als nach der Aufstellung die ersten Erprobungen passierten (da beschränkte man sich darauf, die Sirenenluft beim Hoch- bzw. Runterlaufen des Schallgebers kurz einzuschalten), wackelte zwar die Wand in der Schule, aber die Schallquelle dazu haben wir erst mal gar nicht mit dem weißen Dings oben auf dem Bunker in Verbindung gebracht, bis dann mal Tageszeitungen über die neuen Hochleistungssirenen (man nannte die damals "Preßluftsirenen") berichteten. Und beim ersten "offiziellen" Probealarm war es dann klar...

Gruß - Reinhard.
Frank

Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von Frank »

Moin,
Hab grad ne Idee bekommen. Könnte völliger Quatsch sein, aber ich stell sie trotzdem mal in den Raum:
Wenn man bei der Wahl von HLS-Standorten nicht zimperlich war, könnte da System hinterstecken? Hat man vielleicht bewußt Sirenen dort aufgestellt, wo sich Kindern aufhalten, DAMIT sie Angst vor der Sirene bekommen und so auf den Klang konditioniert werden? Der Vorteil dabei wäre, dass sie (auch noch als Erwachsene) im Schadensfall auf den Klang reagieren und ihn nicht einfach ignorieren? WÜrde somit ja der Sicherheit dienen!
Viele Grüße,
Frank
ReinhardG
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Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von ReinhardG »

Halte ich in der Tat für Quatsch. Mach Dir einfach mal klar, welche Umstände es macht, eine HLS aufzustellen. Du brauchst entweder ein Loch im Boden und einen Mast darüber oder wenigstens einen Raum im Gebäude, wo Du die Technik reinstellen kannst. Außerdem brauchst Du eine Zufahrt, über die Du den Techniker herankommen lassen kannst, selbst wenn der einen Austauschmotor mitbringen muss oder den Tankwagen, der Diesel bringt.

Das alles bekommst Du bei Privatleuten nicht unbedingt mit Freude zur Verfügung gestellt. Deshalb nimmt man halt Gebäude und Grundstücke, die schon der Kommune gehören und davon gibt es eben hauptsächlich Kindergärten und Schulen.

Wie ich schon schrieb: Angst haben wir vor der HLS nie gehabt, wir empfanden das eher als Gaudi, weil halt die Schule an diesem Tage anders war.

Gruß - Reinhard.
Gast

Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von Gast »

tja, 50 jahre erprobungsphase wirds wohl kaum geben. dafür ist die heutige elektrotechnik viel zu schnellebig und auch die eistüten werden höchstwahrscheinlich in viel kürzeren intervallen überarbeitet. außerdem trocknen elektrolytkondensatoren, wie sie in den endstufen vorkommen, irgendwann auch mal aus und um kaputt zu gehen müssen sie garnichtmal völlig austrocknen. man bedenke das diese endstufen fast im bereich ihrer höchleistung gefahren werden.
Du bist in der Audiotechnik viel besser drauf als ich, also korrigiere mich wenn ich falsch liege:
Wovür brauchen die Eistüten-Endstufen überhaupt ElCos?
Die haben ja ihre Bleisäureakkus dran...
Soviel ich weiß brauch man ja ElCos nur, um den pulsierenden Gleichstrom der Grätz-Brücke zu glätten...
Gast

Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von Gast »

Stimmt!

In Irgendeiner Beschreibung der steht sogar

Leistungsabgabe 4kW.

Allerdings kann ich mir nicht vorstellen ,wenn man sie mit einem 10kW Motor bestücken würde,gleiche Drehzahl,dass sie lauter heulen würde,bzw.weiter zu hören sei.

Ich denke ,man hat damals schon Versuche gemacht ,wieviel mechanische Energie notwendig ist ,um die Sirene in 3,5-4 Sekunden komplett hochzufahren.

Ich denke,dass sie mit dem 5kW Motor reichlich gut bedient ist,was man ja auch an dem mittlerweile hohen Lebensalter der Damen sieht.

Irgendwie vergleiche ich sie mit dem guten,alten Röhrenradio aus den fünfzigern:

6Watt Ausgangsleistung,nicht gerade viel aber ein Klang,der seinesgleichen sucht! Und außerdem unkaputtbar!

Die hat nunmal ihren einzigartigen Sound,besonders das Knurren beim Auslaufen! Keine HLS oder ELS kann das so gut wie sie!


Mfg.Rainer
Eine einfache erhöhung der Leistung wäre sinnlos, da Drehstrom-Induktionsmotoren verwendet werden.
D.h. der Motor will seine Nenndrehzahl erreichen, die Leistung wird dabei automatisch an die Last angepasst.
Ist die Last zu groß um die Nenndrehzahl zu erreichen überlastet sich der Motor bis zur 6fachen Nennleistung bis er durchbrennt.

Man könnte die Sirene größer bauen und dann einen größeren Motor dranhängen - bei entsprechender Leistung und größe hättest du dann irgendwann eine , die wie eine normale klingt, aber in ihrer Reichweite der HLS in nichts nachsteht.

Zur Lebensdauer: Da ein Drehstrom-Induktionsmotor ohne Kohlen auskommt sind die Lager die einzigen Verschleißteile.
Und bei einer gehörigen Portion Schmieröl und der Verwendung von Kugellagern können solche Motoren schon mal über 100 Jahre alt werden und immer noch funktionieren.
Zuletzt geändert von Gast am Sonntag 18. März 2007, 18:59, insgesamt 1-mal geändert.
Klauskinski
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Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von Klauskinski »

Moin!

Denk Dir die großen Blauen weg: Klick
Eine einfache erhöhung der Leistung wäre sinnlos, da Drehstrom-Induktionsmotoren verwendet werden.
D.h. der Motor will seine Nenndrehzahl erreichen, die Leistung wird dabei automatisch an die Last angepasst.
Ist die Last zu groß um die Nenndrehzahl zu erreichen überlastet sich der Motor bis zur 6fachen Nennleistung bis er durchbrennt.

Man könnte die Sirene größer bauen und dann einen größeren Motor dranhängen - bei entsprechender Leistung und größe hättest du dann irgendwann eine , die wie eine normale klingt, aber in ihrer Reichweite der HLS in nichts nachsteht.



Mit anderen Worten: Die Drehzahl wird sich trotz größerem Motor nicht verändern, allerdings ermöglicht das höhere Drehmoment der leistungsfähigeren Motoren eine größere Luftfördermenge und somit einen höheren Schalldruck, der jedoch nur erzielt werden kann, wenn der Rotor so konstruiert ist, dass er bei gleicher Drehzahl mehr Luft fördert.
Gast

Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von Gast »

Moin!

Denk Dir die großen Blauen weg: Klick
Ist das wirklich die Endstufe einer ELS?

Ich dachte, die Endstufe wird so versorgt:

Gleichstrom-Netzteil->Puffer-Bleiakkus->Endstufe.

Was suchen denn die beiden Ringkern-Trafos da drinnen?
So wie dieses Bild aussieht ist das eine ganz normale Hifi-Endstufe...
Klauskinski
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Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von Klauskinski »

Ist auch eine Hifi-Endstufe, drum sollst Du Dir ja auch das Netzteil wegdenken
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