1:0 für die Eistüte ...

Alles rund um moderne elektronische Sirenen.
Frank

1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von Frank »

Moin,
Hab grad ein Experiment gemacht: Ich hab mich in ein Feld (kein Verkehrslärm, weitgehend windstill) vor der Stadt (Emden) gestellt und dort dem samstäglichen Probealarm gelauscht. Etwa 800 m von mir entfernt eine und 1,5 km entfernt eine Eistüte. Tja, was soll man sagen: Die Eistüte war trotz der größeren Entfernung eindeutig lauter und deutlicher zu hören als die .
Wollt ich nur mal erzählt haben,
Gruß,
Frank
Klauskinski
Harter Kern
Beiträge: 414
Registriert: Montag 21. Februar 2005, 11:10

Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von Klauskinski »

Moin!

Was ich bisher gelesenhabe, sind die Emdener Eistüten ziemlich groß - klar, dass die lauter sind als eine - fair wäre ein Vergleich der Durchhörbarkeit der Signaltöne mit einer Eistüte, die der am ähnlichsten ist - das wäre so weit ich weiß die mit den vier Lautsprechern (?)
Rainer
Sirenenexperte
Beiträge: 811
Registriert: Dienstag 29. November 2005, 18:21

Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von Rainer »

Um es genau zu sagen:

Anzahl der Hörner mal 150 Watt=Sinus-Ausgangsleistung der Anlage.

In Köln haben die meisten Sirenen 16 Hörner,also 2400Watt.

An der Hauptfeuerwache Scheibenstrasse sind sogar 4 Köpfe mit jeweils 6 Hörnern,also 4mal 900Watt=3600Watt!

Das beschallt ganz Weidenpesch und halb Nippes!

Ich sagte ja schon mehrmals:Die Dinger gewinnen mit jedem Meter mehr Entfernung an Klangqualität und Durchsetzungsvermögen.

Man kann sie daher getrost als Hochleistungssirene bezeichnen,wenngleich die pneumatischen HLS sehr viel bedrohlicher klingen!

Da bleibt dann die Frage nach dem "Wirkungsgrad" einer E57mit 5kW Aufnahme.

Ist es hier wie bei einem Staubsauger ,bei dem von den ca.1400W aufnahme nur max .400W an der Düse ankommen?

Mfg.Rainer
ReinhardG
Sirenenexperte
Beiträge: 514
Registriert: Samstag 14. Januar 2006, 14:20

Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von ReinhardG »

Da bleibt dann die Frage nach dem "Wirkungsgrad" einer E57mit 5kW Aufnahme.
Leider gibt es ja noch keine genaueren Daten, aber wie die Technik in den HLS aussieht, haben die Motoren da auch nicht mehr als vielleicht 10 kW; die Darmstädter HLS waren bzw. sind noch auf Elektroantrieb umgerüstet und der Motor dafür sieht auch nicht nach mehr als 5 kW aus. Wenn man bedenkt, wie viele durch eine HLS ersetzt werden konnten, war deren Wirkungsgrad wirklich lausig. Und dass selbst moderne ELS kaum mit weniger Leistung auskommen, zeigt doch, dass die HLS eine ziemlich gute Konstruktion waren bzw. noch sind.

Gruß - Reinhard.
Benutzeravatar
MiThoTyN
Moderator
Beiträge: 1531
Registriert: Donnerstag 23. September 2004, 00:31

Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von MiThoTyN »

Die KW des Kompressormotors der HLS DA kann man ja wohl nicht als "Wirkungsgrad" der Sirene bezeichnen und diese mit ELS oder der vergleichen. Wenn man in DA einen kleineren/größeren Motor eingebaut hätte, würde es unterschiedlich lange dauern, bis der Druck im Tank aufgebaut ist. Was aber an der Wirkung der sirene bzw des Signals nichts ändern würde. Und der Motor im Kopf wird mit 24Volt betrieben und hat nicht mal annähernd 1000Watt. Und der erzeugt ja auch nur das Signalmuster. Die eigentliche Leistung kommt von der Pressluft.

Übrigens hat der Kompressormotor in DA genau 7,5 KW. Ich hab das Typenschild fotografiert.

Gruß Joachim
Zuletzt geändert von MiThoTyN am Sonntag 19. März 2006, 03:52, insgesamt 1-mal geändert.
ReinhardG
Sirenenexperte
Beiträge: 514
Registriert: Samstag 14. Januar 2006, 14:20

Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von ReinhardG »

Naja, wenn man mal davon ausgeht, dass der Kompressor so dimensioniert ist, dass er den Arbeitsdruck im Druckbehälter halten kann, auch wenn die Sirene in Betrieb ist, dann lässt sich schon was sagen über den Wirkungsgrad mit Bezug zur Motorleistung. Der Druckbehälter soll ja nur puffern und eine Reserve darstellen. Anderenfalls wäre der Kompressor unterdimensioniert und die Sirene würde nach längerem Betrieb zwangsläufig ausfallen - das kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen bei dem Perfektionismus, mit dem man solche Anlagen geplant und gebaut hat.

Gruß - Reinhard.
Klauskinski
Harter Kern
Beiträge: 414
Registriert: Montag 21. Februar 2005, 11:10

Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von Klauskinski »

Moin!

Nun vergleicht mal nicht Äpfel mit Birnen.

Der Motor der hat eine LeistungsAUFNAHME von 5kW

Die Eistüten haben eine LeistungsABGABE von je 150W. Allerdings haben normale Verstärker einen Wirkungsgrad von um die 50% - eher weniger. Demnach hätte eine Riesentröte mit 16 Lautsprechern und einer Leistung von 2400 Watt eine geschätzte Leistungsaufnahme von ebenfalls rund 5kW.

Trotzdem schwer vergleichbar, weil den verschiedenen Geräten einfach total unterschiedliche Konstruktionsprinzipien zu Grunde liegen.

Und bei den HLS: Je kleiner ein Kompressor ist, desto länger benötigt er um den Druckbehälter zu füllen, desto länger ist er in Betrieb, desto mehr Energie verbraucht er.

Angesichts der verschiedenen Konstruktionen halte ich es für schwierig, diese anhand ihrer Leistungsaufnahmen zu vergleichen - gerade, weil sie auch unter ökonomischen Gesichtspunkten ob der geringen Betriebszeit nicht unbedingt von Belang sind. Anschaffungskosten und Wartung, sowie die zu erwartende Lebensdauer wären beispielsweise Dinge, die wirklich interessant sind und auch eine Rolle spielen. Hierbei gilt es gleichwertige Lösungen bestehend aus Motorsirenen, Eistüten und wegen meiner auch pneumatischer Sirenen zu vergleichen.

Edit: Welche Endstufen sind in den Eistüten verbaut? Die neueren Class D- Verstärker haben Wirkungsgrade um die 70%
Zuletzt geändert von Klauskinski am Sonntag 19. März 2006, 14:22, insgesamt 1-mal geändert.
ReinhardG
Sirenenexperte
Beiträge: 514
Registriert: Samstag 14. Januar 2006, 14:20

Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von ReinhardG »

Angesichts der verschiedenen Konstruktionen halte ich es für schwierig, diese anhand ihrer Leistungsaufnahmen zu vergleichen - gerade, weil sie auch unter ökonomischen Gesichtspunkten ob der geringen Betriebszeit nicht unbedingt von Belang sind. Anschaffungskosten und Wartung, sowie die zu erwartende Lebensdauer wären beispielsweise Dinge, die wirklich interessant sind und auch eine Rolle spielen. Hierbei gilt es gleichwertige Lösungen bestehend aus Motorsirenen, Eistüten und wegen meiner auch pneumatischer Sirenen zu vergleichen.
Vollkommen richtig, das mit dem Wirkungsgrad ist nur ein Teilaspekt. Hier ging es ja nicht um die grundsätzliche Beurteilung der verschiedenen Systeme, denn da sind, wie schon oft diskutiert, die Wartungskosten wohl entscheidend. Viele eher leistungsschwache Sirenen wie das E57-Netz scheinen da schlechter wegzukommen als wenige stärkere, deshalb hat man z.B. in Hannover oder auch in Bayern in den 60er Jahren ein HLS-Netz aufgebaut, auch wenn eine einzelne HLS intensivere Wartung braucht. Die Netzunabhängigkeit kann dabei höchstens ein Teilaspekt gewesen sein, denn man hat ja zum Beispiel nicht gleichzeitig auch Schutzräume für die Bevölkerung gebaut, was aber zwingend nötig gewesen wäre, hätte man wirklich eine akute Bedrohung erwartet.

Und jetzt kommen die ELS, die große Bereiche abdecken *und* wenig Wartung brauchen - klar, wie da die Entscheidung ausfällt. Das mag gefallen oder auch nicht, die Richtung ist trotzdem klar, wenn man überhaupt ein akustisches Warnnetz haben und erhalten will. Es ist halt eine normale technische Weiterentwicklung von der über die HLS zur ELS, und eins löst das andere ab, auch wenn das den Fans nicht so gefällt.

Gruß - Reinhard.
Klauskinski
Harter Kern
Beiträge: 414
Registriert: Montag 21. Februar 2005, 11:10

Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von Klauskinski »

Gerade was die Wartung angeht, bin ich der Meinung, dass die ELS "Zeitbomben" sind: Vergleichsweise aufwändige Konstruktion, viel Elektronik, etc. Lästige Kondensatordefekte mit Folgeschäden und was da noch alles kommen mag. Ich lasse mich gern eines Besseren belehren, aber erstmal muss so'n Ding 50 Jahre klaglos funktionieren. So lange sind die Teile für mich in der Erprobungsphase.
Benutzeravatar
NCW
Moderator
Beiträge: 1868
Registriert: Samstag 27. März 2004, 21:58

Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von NCW »

tja, 50 jahre erprobungsphase wirds wohl kaum geben. dafür ist die heutige elektrotechnik viel zu schnellebig und auch die eistüten werden höchstwahrscheinlich in viel kürzeren intervallen überarbeitet. außerdem trocknen elektrolytkondensatoren, wie sie in den endstufen vorkommen, irgendwann auch mal aus und um kaputt zu gehen müssen sie garnichtmal völlig austrocknen. man bedenke das diese endstufen fast im bereich ihrer höchleistung gefahren werden.
Zuletzt geändert von NCW am Sonntag 19. März 2006, 15:22, insgesamt 1-mal geändert.
242
Klauskinski
Harter Kern
Beiträge: 414
Registriert: Montag 21. Februar 2005, 11:10

Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von Klauskinski »

Glaube nicht, dass es mehr als Detailverbesserungen geben wird - jedenfalls in absehbarer Zeit. Aber wir werden sehen was die Zeit bringt
außerdem trocknen elektrolytkondensatoren, wie sie in den endstufen vorkommen, irgendwann auch mal aus und um kaputt zu gehen müssen sie garnichtmal völlig austrocknen. man bedenke das diese endstufen fast im bereich ihrer höchleistung gefahren werden.
Klingt brutal, wenn einer voll ausgesteuerte Endstufe durch Elkos mit Kapazitätsverlust die Puste ausgeht.
Ausgelaufenes Elektrolyt kann übrigens auch Kurzschlüsse verursachen und andere Bauteile in Mitleidenschaft ziehen.
ReinhardG
Sirenenexperte
Beiträge: 514
Registriert: Samstag 14. Januar 2006, 14:20

Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von ReinhardG »

dafür ist die heutige elektrotechnik viel zu schnellebig und auch die eistüten werden höchstwahrscheinlich in viel kürzeren intervallen überarbeitet. außerdem trocknen elektrolytkondensatoren, wie sie in den endstufen vorkommen, irgendwann auch mal aus und um kaputt zu gehen müssen sie garnichtmal völlig austrocknen.
Eben, man tauscht die entsprechenden Baugruppen halt turnusmäßig aus, bringt sie dabei auf den aktuellen Stand und hat nebenbei das erwähnte Alterungsproblem auch nicht. Das sind zwei Handgriffe, niemand muss dafür aufs Dach steigen oder in einen engen Maschinenbunker und schnell gehts auch. Im Werk kann man dann unter richtigen Prüfbedingungen sehen, was davon noch aufzuarbeiten geht und das wird dann halt woanders wieder eingesetzt. Und der Wartungsmonteur muss nicht mindestens Schlosser sein und eine ganze Werkstatt im Auto haben, wie es für die HLS wohl nötig ist. - Auch ich finde die alte Technik interessanter, weil man noch sehen kann, wie alles funktioniert und weil der Klang unerreicht ist, aber die Zeit bleibt nun mal nicht stehen. Die Eisenbahn fährt auch nicht mehr mit Dampflokomotiven.

Gruß - Reinhard.
Wolfi
Harter Kern
Beiträge: 382
Registriert: Dienstag 17. August 2004, 23:10
Wohnort: Friedrichsdorf im Taunus

Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von Wolfi »

Die Frage nach dem "Wirkungsgrad" einer und ihres Vergleichs mit
akustischen Verstärkeranlagen wie z.B. in den Eistüten habe ich mir auch
schon oft gestellt.

Fakt ist, daß der Motor der eine LeistungsAUFNAHME von 5 kW hat.

Der Wirkungsgrad solcher Drehstrommotoren in dieser Leistungsklasse
dürfte bei rund 80% liegen, somit ist an der Welle noch mit maximal
etwa 4 kW zu rechnen.

Nun dürfte der größte Teil dieser aufgewendeten Rotationsenergie in
die Förderung und Kompression der angesaugten Luft gehen. Wieviel
Prozent davon tatsächlich in Schallenergie umgesetzt werden, das wäre
interessant zu wissen. Ich tippe mal so auf höchstens 30%. Das würde
bedeuten, daß die tatsächlich erzeugte und abgestrahlte Schallenergie
rund 1.200 Watt beträgt.

Oder weiß hierzu jemand Genaueres ?

Grüße,
Wolfi
Rainer
Sirenenexperte
Beiträge: 811
Registriert: Dienstag 29. November 2005, 18:21

Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von Rainer »

Stimmt!

In Irgendeiner Beschreibung der steht sogar

Leistungsabgabe 4kW.

Allerdings kann ich mir nicht vorstellen ,wenn man sie mit einem 10kW Motor bestücken würde,gleiche Drehzahl,dass sie lauter heulen würde,bzw.weiter zu hören sei.

Ich denke ,man hat damals schon Versuche gemacht ,wieviel mechanische Energie notwendig ist ,um die Sirene in 3,5-4 Sekunden komplett hochzufahren.

Ich denke,dass sie mit dem 5kW Motor reichlich gut bedient ist,was man ja auch an dem mittlerweile hohen Lebensalter der Damen sieht.

Irgendwie vergleiche ich sie mit dem guten,alten Röhrenradio aus den fünfzigern:

6Watt Ausgangsleistung,nicht gerade viel aber ein Klang,der seinesgleichen sucht! Und außerdem unkaputtbar!

Die hat nunmal ihren einzigartigen Sound,besonders das Knurren beim Auslaufen! Keine HLS oder ELS kann das so gut wie sie!


Mfg.Rainer
Klauskinski
Harter Kern
Beiträge: 414
Registriert: Montag 21. Februar 2005, 11:10

Re: 1:0 für die Eistüte ...

Beitrag von Klauskinski »

Moin!

Um eine Erhöhung des Schalldrucks zu erzielen, müsste der Luftdurchsatz erhöht werden. Das heißt, dass die Rotor- / Statoreinheit größer dimensioniert und / oder die Ansaugung optimiert werden müsste. Das erfordert dann eine höhere Motorleistung, wenn die Drehzahl und somit die Frequenz gleich bleiben soll - ausgehend von der Lösung mit den 9 Ports und Ansaugung durch den Rotor
Antworten